36 Grad, Badegäste und volle Kescher

Der Sommer, das ist genau die Zeit, in der Thomas Müller die meisten Fische und die schönsten Erinnerungen einfängt. Seiner Meinung nach, eine unterschätzte Jahreszeit!

Der oft unterschätzte Sommer

Mit T-Shirt und Badehose sitze ich an der Wasserkante. Die Füße im kühlen Blau, die Gedanken weit weg vom Alltag. Die nächste erfolgreiche Session liegt hinter mir. Bevor ich alles zusammenpacke, springe ich noch einmal ins Wasser, um mich abzukühlen, und genieße die morgendliche Ruhe, bevor sich die ersten Badegäste am See ausbreiten.

Jedes Jahr aufs Neue beobachte ich, wie das Karpfenangeln bei vielen Vereinskameraden über die Sommermonate in den Hintergrund rückt. Und genau das ist meine Zeit. Die Zeit, in der ich wahrscheinlich die meisten Fische fange und gleichzeitig die schönsten Momente am Wasser erlebe.

Nach der Laich beginnt meine Lieblingszeit

Die Zeit vor der Laich war in diesem Jahr sehr unbeständig. Erst zum Ende des Frühjahrs gelangen mir einige Ausnahmefische. Anschließend folgte meine Elternzeit mit der Familie – eine Phase, in der an Karpfenangeln kaum zu denken war.

Für jemanden, der seine wöchentliche Nacht am Wasser normalerweise fest in den Alltag integriert, war das eine völlig ungewohnte Situation. Aber wenn ich eines über die Jahre gelernt habe, dann Folgendes: Nach der Laich beginnt eine Phase, in der gut vorbereitete Futterplätze ihre maximale Effektivität entfalten.

Die Vorbereitung

Einen großen Plan gab es diesmal nicht. Ich wollte genau dort weitermachen, wo ich im Frühjahr aufgehört hatte. Meine Wahl fiel auf eine Flachwasserzone mit etwa 2 × 2 Meter großen, krautfreien Löchern auf rund vier Metern Wassertiefe. Normalerweise bevorzuge ich nach der Laich eher Bereiche bis etwa sechs Meter Tiefe. Die Unterwasserkamera zeigte mir jedoch, dass sich die einzigen natürlichen Freiflächen genau auf vier Metern befanden und das konnte ich nicht ignorieren.

Beim Futter setzte ich bewusst auf eine einfache Strategie: Fischmehlboilies. Keine Partikel, keine Liquids, keine Pellets. Für mich sind hochwertige Fischmehlboilies nach der Laichzeit mit Abstand die selektivste Variante auf große Karpfen. Idealerweise mische ich verschiedene Boiliegrößen, dadurch verändert sich der Ansaugdruck, was die Chance erhöht, dass der Haken beim Einsaugen des Köders sauber im Maul greift.

Angekommen am Wasser

Die erste Session fiel auf einen Freitag. 36 Grad und perfektes Badewetter. Viele würden sagen: „Viel zu heiß zum Angeln.“ Ich würde sagen: Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Jugendgruppen treffen sich zum Abkühlen am Wasser, Familien genießen den Tag in der Natur und wir Angler bewegen uns mittendrin.

Gut, eine Sache bringt der Sommer doch mit sich: die Parkplatzsuche. Sie kostete mich gute 30 Minuten Angelzeit. Aber ehrlich gesagt hatte ich es bei diesem Wetter ohnehin nicht eilig. Am Wasser angekommen, werden erst einmal die Schuhe ausgezogen, ein kühles blondes Getränk geöffnet und erst dann die Ruten abgelegt.

Die Hakenköder

Nach der Laich setze ich am liebsten auf Bodenköder. Die Fische befinden sich in dieser Zeit regelrecht im Fressrausch und sie suchen ihre Nahrung hauptsächlich am Gewässergrund. Genau dort soll deshalb auch mein Hakenköder liegen.

Abgesehen davon haben einige Fische im Frühjahr auch schon schlechte Erfahrungen mit Pop-ups gemacht. Dementsprechend fische ich auf beiden Ruten einen Schneemann, bestehend aus einem Hookbait, der den gefütterten Boilies sehr ähnlich war, aber noch etwas mehr Attraktivität mitbrachte, kombiniert mit einem pinken Pop-up. Präsentiert wurde das Ganze an einem Blow-Back-Rig. Wer meinen letzten Bericht gelesen hat, weiß, warum.

Traumstart!?

Kaum lagen die Montagen auf ihren Spots, begann ich damit, mein Camp aufzubauen. Und dann fiel es mir auf: Ich hatte meinen Brolly vergessen. Das passiert mir eigentlich nie. Bei den Hunderten Menschen rund um den See wären ein wenig Schatten und Privatsphäre zum Schlafen definitiv hilfreich gewesen. Zum Glück konnte mir ein Vereinskollege aushelfen und brachte mir kurzerhand seinen Brolly vorbei. Die Liege war noch nicht einmal aufgebaut, als der Delkim den ersten Piepser von sich gab.

Ich schaue hin. Der zweite Ton. Die Rutenspitze krümmt sich. Dann kreischt der Bissanzeiger los. Was bitte war denn jetzt los? Keine 45 Minuten nach dem Ablegen der Ruten lag bereits der erste Fisch im Kescher. Und genau so ging es weiter. Im Abstand von etwa 30 bis 60 Minuten liefen die Fische. und ich genoss die sommerliche Nacht in vollen Zügen.

Die ganze Aktion mit dem Brolly hätte ich mir letztlich sparen können. Als ich morgens gegen sieben Uhr zusammenpackte, hatte ich vielleicht 15 Minuten geschlafen aber das spielte überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger war, dass die Fische offensichtlich richtig Bock aufs Fressen hatten und genau jetzt beginnt für mich die effektivste Phase des Jahres.

Nutzt die Zeit nach der Laich!

Die meisten Angler konzentrieren sich auf die Wochen vor der Laich. Verständlich, die Fische erreichen ihr Höchstgewicht und lassen sich oft vergleichsweise leicht fangen. Gleichzeitig ist der Angeldruck in dieser Zeit enorm. Nach der Laich folgt häufig eine längere warme Wetterphase. Viele Angler nutzen das schöne Wetter lieber zum Grillen, Baden oder für andere Freizeitaktivitäten und stellen das Angeln zunächst hinten an.

Dabei beginnt jetzt eine Phase, in der Karpfen enorme Mengen Nahrung aufnehmen, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Gleichzeitig verteilen sich die Fische deutlich gleichmäßiger im gesamten Gewässer. Es gibt nicht mehr nur wenige Hotspots, sondern viele interessante Bereiche, die mit einer guten Vorbereitung erfolgreich befischt werden können.

Genau deshalb treffen jetzt oft zwei Faktoren zusammen: weniger Angeldruck und äußerst aktive Fische. Für mich ist das die vielleicht beste Kombination des gesamten Jahres.

Übrigens: Bei ausreichendem Sauerstoffgehalt fühlen sich Karpfen bei Wassertemperaturen von etwa 20 bis 25 °C am wohlsten. Auch Temperaturen bis etwa 28 °C können noch sehr produktiv sein, solange genügend Sauerstoff im Wasser vorhanden ist.

In diesem Sinne:

Tight Lines und genießt die Sonne