Fehlbisse beim Karpfenangeln? So reagiere ich richtig!

Ganz einfach Karpfen fangen, durch schnelle Reaktionen auf Fehlbisse. Thomas Müller hat erkannt, auf was es ankommt und gibt interessante Anhaltspunkte.

Mehr Karpfen fangen durch schnelle Reaktionen auf Fehlbisse

Ein einzelner Pieper des extrem laut eingestellten Bissanzeigers meines Kollegen weckt mich schon zum zweiten Mal. Erst hielten mich die Party-People am See wach, dann die Wasservögel – und jetzt die Einzelpieper an den Ruten meines Kollegen. Doch die Müdigkeit lässt mich schnell wieder einschlafen. Bis mich das Rascheln im Nachbarzelt erneut aus dem Schlaf reißt. Es ist drei Uhr nachts, und ich habe noch keine 15 Minuten am Stück geschlafen. Die Geräusche werden immer lauter, bis ich schließlich frage:

„Digga, was machst du da?“

Die Antwort kommt prompt:
„Ich binde ein neues Rig! Ich hatte jetzt schon drei Fehlbisse.“

Darauf wusste ich nichts mehr zu sagen...

Das nächste Mal, als ich wach wurde, lief exakt diese Rute mit einem Dauerton ab – die gleiche Rute, die der Kollege nur 30 Minuten zuvor mit einem neuen Rig versehen hatte. Dieser Moment hat sich bei mir eingebrannt. Während ich niemals auf die Idee gekommen wäre, auf einzelne Pieper aktiv zu reagieren, passte mein Kumpel seine Rigs konsequent an und verwandelte diese Signale regelmäßig in echte Bisse. Bei mir blieben es dagegen oft nur Einzelpieper.

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Fressverhalten der Karpfen richtig interpretieren

Karpfen fressen nicht immer gleich. Das Verhalten unterscheidet sich nicht nur von Gewässer zu Gewässer oder von Jahreszeit zu Jahreszeit, sondern teilweise sogar von Stunde zu Stunde. Feederangler wissen längst: Das Fressverhalten kann sich innerhalb weniger Minuten verändern.

Während Feederangler ihre Montagen permanent anpassen, angeln viele Karpfenangler noch immer zu statisch. Dabei ist genau diese Flexibilität häufig der Schlüssel zu mehr Bissen und weniger Fehlbissen.

Natürlich hat jeder von uns ein Rig, dem er besonders vertraut – und das ist auch völlig legitim. Doch wenn die Fische mal aggressiv und mal extrem vorsichtig fressen, müssen wir bereit sein, unsere Präsentation anzupassen.

Dabei gibt es mehrere wichtige Stellschrauben:

Die Riglänge – kürzer oder länger?

Bei Bodenködern wie Einzelködern, Waftern oder Schneemännern starte ich meistens mit einem Blow-Back-Rig von etwa 16 Zentimetern Länge. Dieses Rig bietet hervorragende Hakeigenschaften und gleichzeitig eine sehr gute Landungsquote. Kommt es zu Fehlbissen, kann die Veränderung der Riglänge bereits den Unterschied machen.

Ein längeres Rig liegt meist unauffälliger am Gewässergrund und weiter entfernt vom Blei. Allerdings dauert es dadurch länger, bis das Blei seine Wirkung entfalten kann und der Fisch sauber gehakt wird. Meine erste Reaktion ist deshalb häufig das Kürzen des Rigs. Gerade bei vorsichtigen Aufnahmen kann ein kürzeres Rig deutlich schneller greifen. Teilweise kürze ich das Vorfach auf bis zu acht Zentimeter.

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Der Haarabstand – oft entscheidend!

Der Abstand zwischen Haken und Köder spielt eine enorm wichtige Rolle. Angelst du mit einem Hairabstand von mehr als fünf Millimetern, kann es sinnvoll sein, diesen bei Fehlbissen zu verkleinern. Mittlerweile starte ich fast immer direkt mit einem sehr kurzen Hairabstand von etwa 0,5 Zentimetern in die Session.

Der Grund dafür ist simpel: Je nachdem, wie der Karpfen den Köder aufnimmt, gelangt der Haken bei einem zu langen Haarabstand teilweise gar nicht richtig ins Maul.

Die Hakengröße anpassen.

Ein größerer Haken greift meist schneller, macht das Rig aber gleichzeitig auffälliger. Gerade bei wiederholten Fehlbissen kann eine größere Hakengröße helfen. Trotzdem sollte man immer darauf achten, dass die gesamte Präsentation nicht zu aggressiv wirkt.

Als Ausgangspunkt verwende ich meistens einen Wide Gape X in Größe 6.

Fehlbisse? Zeit für ein anderes Rig!

Mittlerweile ist das meine Standardreaktion auf wiederholte Fehlbisse. Ich starte häufig mit einem Blow-Back-Rig als Kombi-Rig aus N-Trap-Material. Den Übergang zwischen steifem und flexiblem Material sichere ich zusätzlich mit einem kleinen Putty-Gegengewicht.

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Bekomme ich mehrere Fehlbisse, wechsle ich direkt zum Norton-Nailer-Rig. Der große Vorteil dieses Rigs:
Es greift extrem schnell und reduziert Fehlbisse deutlich.

Der Nachteil: Das Rig ist auffälliger und die Landungsquote erreicht nicht ganz das Niveau eines klassischen Blow-Back-Rigs.

Durch den langen Hakenschenkel und das Shot on the Hook, das die Hakenspitze permanent nach unten zieht, arbeitet dieses Rig extrem aggressiv. Genau deshalb ist es meine erste Wahl, wenn ich aktive Reaktionen auf Fehlbisse brauche. In der Regel fische ich dieses Rig mit einem Long Shank in Größe 2 oder 4, kombiniert mit einem 0,4 g Shot on the Hook und Boom-Material in 35 lb.

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Fehlbisse richtig erkennen.

Es gibt eine bekannte Faustregel beim Karpfenangeln:

  • Geht der Hänger minimal hoch und fällt wieder in die Ausgangsposition zurück, war es vermutlich ein Liner. Setze ich auf schlaffe Schnüre, also komplett Slackline, kann aber auch dieses bereits ein Fehlbiss sein.

  • Geht der Hänger hoch und bleibt stehen, spricht das ebenfalls oft für einen Fehlbiss.

Meine Erfahrungen mit der Unterwasserkamera haben allerdings gezeigt, dass diese Regel nicht immer zu 100 Prozent stimmt. Trotzdem bleibt sie die beste Orientierung, um das Verhalten unter Wasser richtig zu interpretieren.

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Aktiv reagieren und mehr Karpfen fangen

Seitdem ich bewusst auf Fehlbisse reagiere und meine Rigs anpasse, bin ich überzeugt davon, deutlich mehr Fische zu fangen. Die besten Ergebnisse erziele ich allerdings nicht nach dem ersten einzelnen Pieper, sondern erst dann, wenn sich Fehlbisse wiederholen und ein klares Muster erkennbar wird. Wer aktiv auf die Signale am Wasser reagiert, wird langfristig erfolgreicher angeln.

Probiert es aus, sammelt eure eigenen Erfahrungen und passt eure Rigs flexibel an das Verhalten der Fische an.

Viel Erfolg am Wasser!

Thomas

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